“The Company Special: Karrieren neu gedacht mit OPTOTUNE"
In der Photonik reicht Spitzentechnologie längst nicht mehr aus, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Unternehmen, denen es nicht gelingt, Vertrauen, Sinn und echte Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen, verlieren genau die Mitarbeitenden, die sie für Innovation brauchen.
Dies ist das erste schriftliche Interview im Rahmen von „The Company Special“ – der SalesPro4U-Reihe, in der wir Unternehmen, Technologien, Unternehmenskulturen und Karrierechancen aus Photonik, MedTech, Deep Tech und der Halbleiterindustrie vorstellen
Vicky Sucarrat, HR-Expertin bei SalesPro4U, spricht mit Adrian Wethli, Vice President Human Resources bei OPTOTUNE.
Das Schweizer Unternehmen entwickelt optische Komponenten und Systeme für Anwendungen von Imaging und Machine Vision bis hin zur Laserbearbeitung.
Adrian kam vor mehr als sieben Jahren als HR Generalist zu OPTOTUNE. Heute verantwortet er die globalen HR-Aktivitäten des Unternehmens, gestaltet die Unternehmenskultur mit und entwickelt die HR-Prozesse kontinuierlich weiter. Neben seiner beruflichen Tätigkeit unterstützt er Kinder mit Migrationshintergrund als Lern- und Integrationscoach.
Im Interview erklärt Adrian, warum Transparenz, psychologische Sicherheit, horizontale Karriereentwicklung und moderne Führung zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen bei der Gewinnung und Bindung von Talenten werden.
1. Vertrauen vor Titeln
Vicky, SalesPro4U: Du bist ein junger Vice President in einer Branche, die häufig als eher traditionell wahrgenommen wird. Was bedeutet „Modern Leadership“ für dich?
Adrian, OPTOTUNE: Es beginnt damit, sich das Vertrauen der Menschen zu verdienen.
Vertrauen entsteht durch Transparenz, aufmerksames Zuhören und ehrliche Antworten – selbst wenn die Antwort lautet: „Ich weiß es nicht.“
Führungskräfte sollten außerdem bereit sein, Verletzlichkeit zu zeigen. Bei OPTOTUNE möchten wir, dass Menschen auf allen Ebenen auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Wir entfernen uns bewusst von überholten, autoritären Führungsmodellen.
Wenn Mitarbeitende spüren, dass ihnen vertraut wird, und wissen, dass ihnen ein Fehler nicht sofort vorgehalten wird, sprechen sie eher offen über Ideen und Bedenken. Genau diese Offenheit fördert Innovation.
2. Psychologische Sicherheit schaffen
Vicky, SalesPro4U: „Psychologische Sicherheit“ bedeutet, dass Menschen sich trauen, am Arbeitsplatz offen zu sprechen. Wie schafft ihr das bei OPTOTUNE?
Adrian, OPTOTUNE: Durch kontinuierliche Kommunikation und regelmäßige Gelegenheiten zum Austausch.
Wir führen monatliche Management-Updates durch und informieren ausführlich darüber, was im Unternehmen passiert. Außerdem findet mit jeder Führungskraft wöchentlich ein Gespräch von 30 bis 60 Minuten statt, in dem die Teammitglieder jedes Thema ansprechen können.
Wir leben eine Open-Door-Policy und fragen Mitarbeitende aktiv nach ihren Meinungen und Sorgen. Doch Fragen allein reicht nicht. Führungskräfte müssen auch reagieren und zeigen, dass sie das Feedback ernst nehmen.
Psychologische Sicherheit entsteht, wenn Menschen informiert, gehört und einbezogen werden. Und, wie bereits erwähnt, wenn sie wissen, dass es in Ordnung ist, verletzlich zu sein und Fehler zu machen.
3. Mitarbeiterbindung beginnt mit einer Frage
Vicky, SalesPro4U: Wie können Führungskräfte eine Kultur schaffen, in der Menschen wirklich bleiben möchten?
Adrian, OPTOTUNE: Meine erste Frage lautet immer: „Was möchte die Person eigentlich?“
Führungskräfte nehmen häufig an, dass jemand nach drei Jahren in einer Rolle automatisch eine Beförderung braucht. Doch vielleicht wünscht sich diese Person etwas ganz anderes: Erfahrungen in einer anderen Abteilung, ein geringeres Pensum, mehr Verantwortung oder eine komplett neue Aufgabe.
Motivation ist sehr individuell.
Entscheidend ist, nachzufragen und anschließend einen Entwicklungsweg zu gestalten, der zur Person passt – statt auf Annahmen aufzubauen.
4. Horizontale Karriereentwicklung
Vicky, SalesPro4U: Karriereentwicklung bedeutet nicht immer, nach oben zu gehen. Was verstehst du unter „Horizontal Growth“?
Adrian, OPTOTUNE: Vertikale Entwicklung beschreibt die klassische Karriereleiter, zum Beispiel den Schritt vom Junior Engineer zum Senior Engineer.
Horizontale Entwicklung bedeutet, in eine andere Fachrichtung oder Funktion zu wechseln. Ein technischer Experte kann eine Führungsrolle übernehmen, während eine erfahrene Führungskraft ins Projektmanagement wechselt oder bewusst wieder eine Expertenrolle übernimmt.
Ein solcher Wechsel führt möglicherweise nicht sofort zu einem höheren Titel oder Gehalt. Er erweitert jedoch die Fähigkeiten, die Perspektive und das interne Netzwerk der Person.
Davon profitieren beide Seiten: Die Mitarbeitenden bleiben motiviert, weil sie etwas Neues lernen, und das Unternehmen entwickelt eine flexiblere und stärker vernetzte Belegschaft.
Vicky, SalesPro4U: Wie können Unternehmen horizontale Karrierewege attraktiver machen?
Adrian, OPTOTUNE: Daran arbeiten wir selbst noch. Es braucht kontinuierliche Kommunikation und die aktive Unterstützung durch Führungskräfte.
Am wirkungsvollsten sind konkrete Beispiele. Wir haben aktuell einen spannenden Fall, bei dem jemand aus einer Head-of-Engineering-Position in eine Principal-Engineering-Rolle wechselt.
Manche fragen zunächst, warum jemand einen solchen Schritt machen sollte. Diese Reaktion zeigt, wie tief die Vorstellung der klassischen Karriereleiter noch in unserem Denken verankert ist. Wir müssen sichtbar machen, dass auch ein Richtungswechsel Fortschritt bedeuten kann.
5. Generationen zusammenbringen
Vicky, SalesPro4U: Jüngere Mitarbeitende erwarten häufig mehr Vertrauen, Flexibilität und Sinn. Wie können erfahrene Führungskräfte darauf reagieren?
Adrian, OPTOTUNE: Führungskräfte müssen endlich anerkennen, dass die Generationen unterschiedlich ticken – und dass sich Führung daran anpassen muss.
Viele erfahrene Führungskräfte sind mit einer Arbeitskultur aufgewachsen, in der harte Arbeit, ein höheres Einkommen und der Aufstieg in der Hierarchie im Mittelpunkt standen. Jüngere Professionals definieren Erfolg und Motivation möglicherweise anders.
Gleichzeitig möchten auch junge Mitarbeitende als engagiert und leistungsbereit wahrgenommen werden.
Unsere Leadership Academy unterstützt Führungskräfte dabei, sinnorientiert zu führen, transparent zu kommunizieren und mehr Flexibilität zu ermöglichen. Das ist gerade in der Photonik wichtig, da Unternehmen häufig hochspezialisierte Komponenten herstellen und keine allgemein bekannten Konsumprodukte.
Führungskräfte müssen Mitarbeitenden zeigen, wie ihre Arbeit zu einem größeren Ganzen beiträgt.
Und letztlich sind Sinn, Vertrauen und Flexibilität nicht nur für jüngere Generationen wichtig. Auch die meisten erfahrenen Mitarbeitenden schätzen diese Faktoren.
6. Junge Talente langfristig motivieren
Vicky, SalesPro4U: OPTOTUNE beschäftigt weltweit rund 200 Mitarbeitende und hat eine vergleichsweise junge Belegschaft. Wie gelingt es euch, junge Talente langfristig zu motivieren?
Adrian, OPTOTUNE: Man muss proaktiv handeln.
Junge Talente brauchen Möglichkeiten, Projekte zu wechseln, neue Verantwortung zu übernehmen oder in andere Rollen hineinzuwachsen.
Das zu organisieren ist anspruchsvoller, als ein statisches Team zu führen. Ohne solche Möglichkeiten verlassen jedoch viele junge Menschen das Unternehmen bereits nach zwei Jahren.
Unser Ziel ist es, Mitarbeitende sechs, sieben Jahre oder länger zu halten, indem wir ihnen kontinuierlich neue Erfahrungen ermöglichen.
Glücklicherweise sind unsere Kunden und Technologien sehr vielfältig. Ingenieurinnen und Ingenieure können an völlig unterschiedlichen Anwendungen arbeiten, ohne das Unternehmen verlassen zu müssen. Die größere Herausforderung ist deshalb nicht Langeweile. Es geht vielmehr darum, die Arbeitsbelastung gut zu steuern und Burnout zu vermeiden, wenn Menschen schnell zwischen anspruchsvollen Projekten wechseln.
7. Warum gute Fachkräfte gehen
Vicky, SalesPro4U: Warum verlassen Fachkräfte Unternehmen oder die Branche, und wie kann die Photonik attraktiver werden?
Adrian, OPTOTUNE: Nach unseren Exit-Interviews verlassen die meisten Menschen das Unternehmen aus persönlichen Gründen. Sie ziehen um, gründen eine Familie, gehen ins Ausland oder entscheiden sich für einen völlig anderen Karriereweg.
Ich kann mich an niemanden erinnern, der gegangen ist, weil ihm die Photonik nicht gefallen hat.
Die Herausforderung in der Schweiz besteht darin, dass die Branche geografisch stark verteilt ist. In manchen Regionen gibt es vielleicht nur zwei oder drei Photonikunternehmen. Ein Arbeitgeberwechsel kann deshalb einen langen Arbeitsweg bedeuten oder sogar einen Umzug der ganzen Familie erfordern.
Die Branche selbst ist großartig. Wir müssen sie einfach sichtbarer machen.
Photonik ist nahezu unsichtbar – verglichen mit der enormen Bedeutung, die sie für unsere moderne Gesellschaft hat.
Wir müssen mehr Menschen für dieses Feld begeistern. Sobald sie die Technologie kennengelernt haben, verlassen sie die Branche nur selten, weil ihnen die Arbeit selbst nicht spannend genug wäre.
8. Die Zukunft der Photonik
Vicky, SalesPro4U: Was erwartest du in den kommenden fünf Jahren von der Photonikbranche?
Adrian, OPTOTUNE: Die Photonik ermöglicht oder unterstützt nahezu jeden wichtigen Technologietrend der Zukunft. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Branche weiterhin stark wachsen wird.
Auch OPTOTUNE befindet sich auf einem klaren Weg zu einem starken, zweistelligen Wachstum in den kommenden Jahren.
9. Eine Botschaft an zukünftige Fachkräfte
Vicky, SalesPro4U: Was würdest du Menschen sagen, die über eine Karriere in der Photonik nachdenken?
Adrian, OPTOTUNE: Die Photonik ist eine unglaublich spannende und sinnstiftende Branche mit einer sicheren, langfristigen Zukunft – insbesondere in der Hardwareentwicklung.
Software wird zunehmend automatisiert. Die Entwicklung hochentwickelter physischer Hardware erfordert jedoch weiterhin tiefes und spezialisiertes menschliches Fachwissen.
Für Technikerinnen, Techniker, Ingenieurinnen und Ingenieure bietet die europäische Photonik hochspezialisierte Technologien, wertvolle Anwendungen und ausgezeichnete langfristige Karrierechancen.
Die Zukunft der Hardware ist vielversprechend.
Ein herzliches Dankeschön an Adrian für die offenen und ehrlichen Einblicke in Führung, Unternehmenskultur und Talententwicklung bei OPTOTUNE. Es war eine große Freude, mehr über seine Perspektive und über die Menschen hinter der Technologie zu erfahren.
Mach dein Unternehmen für Talente sichtbar!
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